Der Tag heute startete für einige von uns mit einem zügigen Frühstück to go. Dann ging es zunächst mit den Öffis zur Basilica di Sant Agostino, an der bereits Sabine auf uns wartete um uns von der spannenden Kurtisanen-Kultur Roms zu erzählen. Ein weiteres Caravaggio Gemälde wartete in der Kirche auf uns und wir waren begeistert mit welchen Kunsthistorischen Details Sabine uns mal wieder überraschte. Ein weiteres Hilight in der Basilica war die Orgel, die Moritz und Benjamin nach Überreden des Kirchenmusikers ausprobieren durften.
Himmlische Klänge erfüllten die Basilica und wir machten uns anschließend auf den Weg zur besten Eisdiele Roms: Giolitti Mit Eis in der Hand haben wir alle mitgefiebert, ob wir wohl noch eine zweite Chance in der sixtinischen Kapelle bekommen würden und tatsächlich: es hat geklappt.
So haben wir den Nachmittag in den vatikanischen Museen verbracht und die unheimlich beeindruckenden Schätze des Vatikans bestaunt. Natürlich auch mit einem kritischen Auge. Nach dem auch anstrengenden Gewusel in den Museen waren wir froh, den Rest des Tages in der Sonne zu genießen bevor es zur letzten Lagebesprechung in unsere WG ging. Nach dem Zusammentragen unserer Eindrücke der letzten zwei Tage haben wir diese wunderschöne Reise in einer grandiosen Pizzeria ausklingen lassen und fallen nun müde und zufrieden in unsere Betten, um morgen unsere Rückreise anzutreten.
Anne

Nach einem typischen „Caffè al bar“ haben wir uns am Sonntag, unserem sechsten Exkursionstag, vor der Kirche Santa Maria del Suffragio getroffen, um die katholische Messe der kongolesischen Gemeinde in Rom zu besuchen. Vor Ort wurden wir herzlich von dem Padre, den Musiker*innen und weiteren Gemeindemitgliedern empfangen. Glücklicherweise hatten wir erneut den Ethnologen Alessandro Cosentino an unserer Seite, der die Musik der kongolesischen Gemeinde bereits seit langer Zeit erforscht und uns dadurch viel über den Hintergrund der Gemeinde, ihre Gläubigen und die musikalische Gestaltung der Messe erzählen konnte.
Anschließend begann die Messe, die sich in Ablauf und Inhalt durchaus mit den katholischen Messen vergleichen lässt, die wir aus Deutschland kennen. Die musikalische Gestaltung unterschied sich jedoch deutlich: Es gab eine ganze Band mit klassischen Instrumenten wie Schlagzeug, E-Gitarre und E-Bass sowie einen Chor, die die Messe musikalisch begleiteten. Bei den angestimmten Liedern sang die Gemeinde meist mit, und auch wir gaben unser Bestes mithilfe von Liedblättern mitzusingen. Auffällig war außerdem, dass sich viele Gemeindemitglieder zur Musik bewegten, ein wenig mittanzten, dabei klatschten und auch wir wurden kräftig dazu animiert, mitzumachen. Besonders eindrucksvoll war das letzte Lied, bei dem viele Gemeindemitglieder nach vorne strömten und zur Musik tanzten, sodass die Messe in einem freudigen Fest endete.
Nach der Messe gingen wir noch mit einigen Gemeinde- und Chormitgliedern gemeinsam essen. Das war eine tolle Gelegenheit, noch einmal intensiver ins Gespräch zu kommen und mehr über die Gemeinde sowie ihre musikalische Praxis zu erfahren. Da die Messe fast drei Stunden gedauert hatte und das gemeinsame Essen ebenfalls etwa zwei Stunden in Anspruch nahm, war das offizielle Programm danach beendet, und wir konnten den restlichen Tag nach unseren individuellen Wünschen ausklingen lassen.
Teresa
Am Morgen trafen wir uns zum Frühstück, um die vergangenen Tage gemeinsam zu reflektieren. Vor allem die verschiedenen Eindrücke in den vatikanischen Museen sorgten für einen angeregten Austausch. Gemeinsam diskutierten wir die verschiedenen Stationen der vergangenen Tage und ordneten sie in den Kontext unserer Exkursion ein.
Anschließend führte Sabine uns in die Bischofskirche Roms - die Lateranbasilika, in der wir über die Geschichte des Komponisten Palestrina sprachen, der an dieser Kirche Kapellmeister war.
Unser Hauptprogrammpunkt des Tages war allerdings der Besuch der indischen Gottesdienstgemeinde in der Basilica Sant’ Anastasia al Palatino. Zusammen mit unserem Guide Alessandro besuchten wir dort deren Gottesdienst im syro-malabarischen Ritus. Nachdem wir die Gelegenheit hatten ausgiebig mit dem Pfarrer, sowie den Musikern der Kirche zu sprechen, ging der insgesamt fast zweistündige Gottesdienst los. Neben den vielen neuen Eindrücken warteten viele Überraschungen, wie z.b. die enorme Lautstärke der Musik, oder die klirrende Kälte in der Basilika, die uns doch sehr herausforderten.
Mehr als nötig hatten wir dann eine heisse Schokolade im Café nebenan und das anschließende Abendessen in Kleingruppen. Heisse Schokolade, italienische Antipasti und die angeblich beste Pizza Roms… Beste Vorraussetzungen für eine ruhige Nacht!
Moritz
Gestern Nachmittag waren wir auf dem Kapitol. Das Wetter hat mitgespielt, wir haben beim Gruppenfoto Sonne im Gesicht; da hatten wir uns schon Mythos und Geschichte von Romulus und Remus und die Gründung der Stadt auf diesem Hügel in Erinnerung gebracht, bevor wir uns auf den „Rücken“ des Kapitols begeben haben.
Von hier aus wird klar, wie außergewöhnlich die Position des Musik- Salons von Nadine Helbig im späten 19. Jahrhundert war. Warum ausgerechnet hier? Einige Jahrzehnte zuvor hatte man ein archäologisches Institut hierher verlegt, und Nadine ist 1865 mit ihrem Mann dorthin gezogen, der zweiter Sekretär des Instituts wurde. Sie selbst brachte dorthin einen Pleyel-Flügel mit, der offenbar der einzige damals in Rom war, eine gewisse Attraktion für Pianisten also.
Vor sich Richtung Kolosseum sah es noch ländlich aus, mit Ruinen hier und da, aber die Ausgrabungen der Foren waren in vollem Gang. Franz Liszt wohnte in Fußnähe, er wurde regelmäßiger Gast und brachte seine Schüler mit. Nebenan zog einige Jahre später Robert von Keudell in den Palazzo Caffarelli ein, preußischer Gesandter am Heiligen Stuhl, später Botschafter des Deutschen Kaiserreichs. Ein passionierter Pianist. Nachmittags übte er und bereitete Abendmusiken vor, mit seiner Nachbarin Nadine Helbig zusammen. Es wurde mehr als ein Salon, der Ort wurde auch öffentlich bespielt, und es gab hier ungewohntes Repertoire zu hören, auch Neudeutsche Schule von Schumann bis Wagner.
Wir haben über diese kulturpolitischen Konstellationen auf diesem zentralen Stadthügel gesprochen. Standen dafür auf der Terrasse der kapitolinischen Museen, wo früher der Thronsaal der Botschaft war.
Mit von der Partie war schon unser Guide für den Folgetag, ein Kollege und Spezialist für das liturgische Zeremoniell in der päpstlichen Kapelle der Renaissance, der durch die "sistina' führen wollte. Aber wer mit dem Vatikan zu tun hat, muss sich auf Überraschungen einstellen, mit denen der hierarchische Apparat seine Autorität sichert. Wegen Taufzeremonien war die sixtinische Kapelle kurzfristig gesperrt worden für Freitag. Da halfen weder langfristige Planungen noch Vitamin B. Wie ärgerlich!
Durch die guten Beziehungen unseres Guides zum Vatikan wurden wir heute morgen entschädigt durch eine Privatführung über den Friedhof der Deutschen im Vatikan, den Campo Santo Teutonico. Und im Anschluss standen wir zwar nicht in der sixtinischen Kapelle, aber in der Wohnung des Borgia-Papstes Alexander VI, im Saal der sieben freien Künste, mitten in den vollen vatikanischen Museen. Es ist sehr anstrengend sich die Besucherströme wegzudenken, und sich atmosphärisch auf diese historischen Räume einzulassen, keine Frage. Für mich war es der rote Mantel von Serafino aus Aquila, der uns auf einem Gemälde dieses Saales wie ein Wegweiser zeigte, dass und wie hier früher Musik gemacht wurde, vor mehr als 500 Jahren. Serafino muss man sich wie einen Singer songwriting-Star im Hofleben um 1500 vorstellen: er hat zu seinen Gedichten gesungen und auf der Laute gespielt, ist als Künstler durch ganz Italien getourt und wurde vielfach imitiert, was in Drucken festgehalten wurde, als er längst gestorben war.
Der Vatikan war für uns kaum ein Ort um frei diskutieren zu können, die Zeit war auch bemessen, der Ort voll. Und der geladene Kollege wollte seine seit langer Zeit vorbereiteten Inputs für diesen Tag zumindest ansatzweise an uns und unsere Gäste, auch aus dem Vatikan-Netzwerk weitergeben können.
Es stellt hat sich nun die Frage, wie transkulturell Musikpraxis am Papsthof um 1500 sein konnte.Unter Alexander VI., also bis 1503, bestand eine gewisse Liberalität und Internationalisierung in der Kapelle. Der spanische Borgia-Papst gab sephardischen Juden eine Stimme. Man berichtete damals, dass sie besonders gut Lamentationes singen könnten, da ihre Vorfahren bei der Kreuzigung Christi in Jerusalem zugegen gewesen seien. Und einige Kapellmusiker waren damals eben auch Frankoflamen, wofür heute der Name Josquin Desprez steht. Seinen Namen hat er vermutlich selbst in die Rückwand der Sängerkanzel der „sistina“ enblematisch eingeritzt, das hat man vor dem Heiligen Jahr 2000 freigelegt.
Grosso-modo war Rom vor 1527 recht durchlässig für reguläre Überschreitungen gesetzter Normen, also vor der gewaltvollen Plünderung der Stadt durch die kaiserlichen Truppen Karls V. Und später im 16. Jahrhundert sorgten die katholischen Reformen für stärkere kulturelle und soziale Restriktionen. Das betrifft eben z.B. auch das Musikleben von Kurtisanen, um das es Montag dann ging.
Wenn ich unsere Feldforschungsbrille aufsetzen und den Besuch im Vatikan Revue passiere, hat mich negativ das starke gendering beeindruckt, das wir erlebt haben. Männer unter sich, das ist auch 2026 möglich und ich nehme an, im Vatikan eher Standard. Männliche Kollegen haben sich sicht- und hörbar gemacht, für die Studierenden und auch mich war es eher schwer, sich rhetorisch einzubringen. Das haben wir unter uns und andernorts ganz anders erlebt, und wenn ich ein Highlight aus der Woche mitnehme, dann die Diskussionskompetenz unserer Gruppe. Freitag hat uns dann vor allem eine weibliche Kollegin der Vatikanischen Museen mit leiser und kompetenter Stimme aus der Klemme geholfen. Sie ist konkret auf meine Bitte eingegangen und hat uns – später – trotz allem noch Zugang zur sixtinischen Kapelle verschafft, ohne dafür wertvolle Energie mit Schlangestehen verlieren zu müssen.
Auch nach Ende des Heiligen Jahres ist Rom noch ganz schön katholisch, das blieb für uns auch noch weiter ein Thema.
Sabine (Meine)
Müde, aber motiviert starteten wir früh in den Mittwoch: Um 7:15 Uhr ging es durch den römischen Berufsverkehr zur Papstaudienz. Während Benjamin heldenhaft die Karten organisierte, stärkten wir anderen uns mit Cornetto und Caffè - beste Voraussetzungen für den päpstlichen Segen.
Nach dem Security-Check nahmen wir im hinteren Drittel des Auditoriums Platz. Hinter dem Papstsessel beeindruckte die monumentale Skulptur La Resurrezione von Pericle Fazzini: Jesus, der aus einem durch eine nukleare Explosion aufgerissenen Krater aufersteht. Diese ungewöhnliche Darstellung, ein metaphorischer Kreuzersatz, war irritierend, faszinierend und blieb besonders im Gedächtnis.
Die Wartezeit überbrückten internationale Pilgergruppen singend, besonders eine slowakische Gruppe mit Akkordeon sorgte für Stimmung. Die leicht chaotische Atmosphäre machte die Audienz überraschend lebendig. Als es schließlich losging, wurden zahlreiche Gruppen begrüßt, zu unserer Überraschung auch wir. Der restliche Teil bestand größtenteils aus Übersetzungen der päpstlichen Worte: interessant, aber der Kaffeedurst meldete sich erneut.
Umso schöner war der Gang hinaus in die Sonne Roms und ein Gespräch bei Kaffee und Snack. Nach einer gemeinsamen Reflexion im Park nutzten wir die Umgebung für einen Spaziergang, bevor es, wieder mit Koffeinbedarf, zum Deutschen Historischen Institut (DHI) ging. Dort wurden wir herzlich empfangen und konnten uns intensiv über unser Forschungsprojekt sowie die Arbeit des Instituts austauschen. Das DHI, gefördert von der Max-Weber-Stiftung, forscht interdisziplinär auf internationalem Niveau. Wir lernten unter anderem PD Dr. Vera Grund, Prof. Dr. Petra Terhoeven sowie Dr. Eleonora Di Cintio und Dr. Elisa Novara kennen, die ihre Projekte vorstellten, darunter „Tanz/Musik Digital“ und „Transnationale Kompositionsmethoden des 19. Jahrhunderts – die ‚Schule‘ von Salieri“. Prof. Dr. Sabine Meine, die früher am Institut tätig war, stellte unser Projekt vor.
Nach rund zwei intensiven Stunden verließen wir das Institut: der Kopf voller Eindrücke, der Magen leerer, aber bereichert durch einen ebenso dichten wie inspirierenden Tag.
Samira & Aliya


Der Tag startete für uns um 10 Uhr und ganz klassisch mit der S-Bahn in Richtung Flughafen. Dort lief überraschend alles glatt: Self-Check-in ohne großes Drama. Zur Belohnung und Stärkung für den langen Reisetag gab es erst einmal einen Kaffee. Lufthansa zeigte sich großzügig und verteilte uns auf dem Flug nach München zwei Schokis – eindeutig der inoffizielle Gönner des Tages und Höhepunkt des Vormittags.
Nach einer kleinen Stärkung in München waren wir bereit für das große Finale: Rom. Bei der Ankunft meldete sich dann kurz das Reisechaos – Emilios Koffer hatte schon mal bessere Zeiten gesehen. Zum Glück ließ sich das Problem schnell lösen.
Sabine holte uns ab und freute sich so sehr, dass jede Müdigkeit kurz vergessen war. Und dann kam schon unser erster offizieller Programmpunkt in der ewigen Stadt: natürlich Essen, denn ohne Essen kein richtiger Italien-Start.
Am Ende des Tages waren wir zwar komplett erledigt, aber glücklich angekommen. Nach so viel Bewegung, Schokolade, kleinen Dramen und viel Freude blieb nur noch der Einzug in unsere Quartiere und ein Programmpunkt offen: Schlafen. Und dies wurde sehr konsequent umgesetzt.
Laura & Hannah

